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Neue Medien

Worum im Dreißigjährigen Krieg (1618 - 1648) gekämpft wurde, darum wird auch heute noch Krieg geführt: um Macht, Geld und den wahren Glauben.
Und wie in jedem Krieg wird die Kunst zur Dienerin der Propaganda degradiert - was für Zeiten, um ein Künstler werden zu wollen! Der junge Jacques Callot will um jeden Preis und allen Widerständen zum Trotz ein Meister seines Fachs, ein vollendeter Kupferstecher werden, reist als halbes Kind auf eigene Faust nach Italien, und tatsächlich gelingt ihm in Radierungen und Stichen so etwas wie ein individueller künstlerischer Ausdruck in einer Zeit, die den Begriff des Individuums gar nicht kennt.
Rembrandt ist ein Sammler Callotscher Werke, Francisco de Goya wird durch Callots Radierzyklus "Die großen Schrecken des Krieges" zu seinem eigenen Zyklus "Desastres de la Guerra" inspiriert, E. T. A. Hoffmann nennt sein literarisches Debüt Fantasiestücke in Callots Manier. Was zeigt Callot dem Schauenden und Lesenden bis heute, vierhundert Jahre später? Die unermesslichen Schrecken des Krieges, den unbändigen Willen einer Künstlerpersönlichkeit, den hohen Preis für diese Meisterschaft, den zu bezahlen Callot bereit ist, und ein zeitloses Werk voller Einzelschicksale, voller kleiner Leben.

Kind sein bedeutet, ganz in der Gegenwart zu leben, die Dinge so zu nehmen, wie sie sind, die Dinge, die nicht da sind, nicht zu vermissen - und doch die Kälte der Leerstellen zu spüren. Lukas lebt in Innsbruck, als Kind freut er sich auf die Fußball-WM 1990 in Italien. Italien - das ist Türkischer Honig, Spielautomaten, Kastanien, Urlaub am Meer, Kopfrechnen zwischen Schilling und Lire. Italien muss aber noch etwas anderes sein, etwas Vergangenes, Bedrohliches. Was hat es mit den Narben des alten Lahner auf sich? Warum haben manche Südtiroler in Innsbruck eine "Neue Heimat" gebraucht? Warum haben die Orte in Südtirol italienische und deutsche Namen?Josef Lahner weiß das alles, hat aber schon so lange darüber geschwiegen, dass Erinnertes, Erlebtes, Echtes und Erfundenes langsam verschwimmen. Südtirol ist für ihn nicht süß und klebrig, Südtirol ist Schmerz und Verlust, Verrat und Demütigung. Giuseppe Monte weiß vor allem, dass er sich in vielem geirrt hat. Er weiß, dass er damals als Carabiniere nicht so eindeutig auf der Seite des Rechts gestanden ist. Und er ahnt allmählich, dass beschwiegene Dinge nicht einfach ruhen.
Ein Roman über eine Kindheit zwischen unschuldiger Begeisterung und der langsamen Erkenntnis, dass es eine Welt der Politik, Gewalt und Willkür jenseits der Geborgenheit gibt.

Der einäugige Ernest Herz hat, erschöpft von seinem exzessiven Liebesleben, den Posten des Bibliotheksleiters im Stift W. angenommen und besinnt sich auf seine nicht minder große, andere Leidenschaft - das alte Buch. Die Wohnung, die er im Kloster bezieht, hatte seinem Vorgänger, Pater Mrozek, gehört, der auf eine kuriose Art Selbstmord begangen hat.
Ernest Herz muss feststellen, dass er mit seiner Vision einer zeitgemäßen Bibliothek in der konservativ-klerikalen Gesellschaft des Klosters auf Widerstände stößt, dass mit seinem mitgebrachten Telefunkenradio etwas nicht zu stimmen scheint, weil es nur noch "Radio Gabriel" empfängt, und dass der Selbstmord seines Vorgängers zahlreiche Fragen aufwirft. Eines Tages findet der Bibliothekar in einem Versteck ein Exemplar des mittelalterlichen Beststellers "Dialogus miraculorum". Dem Buch fehlt der Einband, die Neugierde des Bibliothekars ist geweckt, er versucht nun nachdrücklich herauszufinden, was seinen Vorgänger dazu getrieben habenkönnte, sich umzubringen. Weiß der junge, verstörend schöne Kellner der Gastwirtschaft "Zum Lamm" unten im Dorf vielleicht mehr?
Skurril, komisch und liebevoll, mit ihrem unnachahmlichen Blick für das schräge Detail, macht Marjana Gaponenko die Welt der Bibliothek zum spannend-abgründigen Schauplatz.

Ausgezeichnet mit dem Bruno-Kreisky-Sonderpreis 2017
Deutschlands und Österreichs Wissenschaftler, Künstler und Intellektuelle entkamen den Nationalsozialisten auf oft abenteuerlichen Wegen. Eine Flüchtlingsgeschichte mit vielen Parallelen zu heute - die Betroffenen kommen allerdings nicht aus Syrien und Afghanistan. Sie waren Nobelpreisträger, Universitätslehrer, weltberühmte Schriftsteller und gefeierte Dirigenten, Juden und Christen, Politiker und Zeitungsredakteure, die ein gemeinsames Schicksal einte: Die Nationalsozialisten wollten sie ermorden. Unter den Flüchtlingen: Sigmund Freud, Stefan Zweig, Joseph Roth, Thomas, Heinrich, Golo und Erika Mann, Franz Werfel und seine Frau Alma Mahler-Werfel. Alfred Polgar, Hermann Leopoldi, Ödön von Horvath, Anna Seghers, Robert Stolz, Friedrich Torberg, Karl Farkas, Billy Wilder, u.v.m.

Sommer 1987. Auf dem Dachboden eines Bauernhauses wird ein Mädchen brutal ermordet. Ein dreizehnjähriger Junge schlägt sieben Mal mit einem Golfschläger auf seine Mitschülerin ein und richtet ein Blutbad an. Dreißig Jahre lang bleibt diese Geschichte im Verborgenen, bis sie plötzlich mit voller Wucht zurückkommt und alles mit sich reißt: Der Junge von damals mordet wieder ...
 
Der 48-jährige österreichische Schriftsteller Bernhard Aichner lebt mit Frau und Kindern, Hund und Katze in Innsbruck. Bereits im Alter von 14 Jahren kam bei Bernhard Aichner erstmals der Wunsch auf Schriftsteller zu werden. Mit 17 bricht Aichner das Gymnasium ab und geht nach Innsbruck. Ebenso wie der Hauptprotagonist im neuen Buch Bösland verdiente Bernhard Aichner dort sein Geld als Fotolaborant. Aichner holt sein Abi nach und studiert Germanistik. Parallel dazu arbeitet Bernhard Aichner als Fotograf und baut sich zusammen mit seiner Frau ein Fotoatelier auf. Viele Jahre verdiente der gebürtige Osttiroler seinen Lebensunterhalt mit Fotografieren und ging nebenbei seinem Hobby – dem Schreiben – nach. Im Laufe der Zeit entwickelte Bernhard Aichner den für ihn typischen, temporeichen und kurzatmigen Signature-Sound. Sein Erstlingswerk erschien im Jahr 2000. Sechs weitere, wenig beachtete Bücher folgten, bis ihm im Jahr 2014 mit „Totenfrau“ der Durchbruch gelang. Der erste Teil der Totenfrau-Trilogie mit der mordenden Bestatterin Brünhilde Blum in der Hauptrolle wurde ein international gefeierter Bestseller. Der nun vorliegende neue Thriller Bösland ist ein Stand-Alone-Thriller mit neuen Figuren, der in den 1980er Jahren spielt.